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Die Panikattacke

Eine Panikattacke ist laut Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) eine abgrenzbare Periode intensiver Angst oder intensiven Unbehagens. Die Panikattacken sind plötzlich eingetreten und standen nicht in Zusammenhang mit einer nahezu immer angstauslösenden Situation. Zudem wurden sie nicht ausgelöst durch Situationen, in denen die Person im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit anderer Menschen stand.

Mindestens vier der nachfolgend genannten Symptome, gleichzeitig erlebt, gehören zu einer definitionsgemäßen Panikattacke:

  • Gefühl der Atemnot
  • Benommenheit, Schwindel, Unsicherheit und die Angst in Ohnmacht zu fallen
  • Herzstolpern, beschleunigter Herzschlag (Herzrasen)
  • Schwitzen (kaltnasse Hände)
  • Zittern oder Beben
  • Erstickungsgefühle
  • Brustschmerzen, Beklemmungen
  • Magenschmerzen, Übelkeit
  • Gefühl der Unwirklichkeit, Depersonalisation und Derealisation
  • Angst, verrückt zu werden oder die Kontrolle zu verlieren
  • Taubheits- oder Kribbelgefühle
  • Angst vor Tod
  • Hitze- oder Kälteschauer

Soweit die schulmedizinische Definition einer Panikattacke.

In der Praxis haben viele Betroffene das Gefühl von Kontrollverlust, Schwindel, Herzrasen, Atemnot.

Betroffene berichten z.B. beim Besuch eines Kaufhauses, Supermarkt oder U-Bahn, dass plötzlich ein ungutes Gefühl aufkommt, die Knie weich werden, Übelkeit, das Gefühl von schlechter Luft mit den Gedanken, jeden Moment ohnmächtig zu werden und nur noch der Wunsch da ist, den Ort zu verlassen.

Nicht immer sind alle Symptome ausgeprägt. Meistens treten nur zwei oder drei Symptome auf. Die Betroffenen erfahren sie trotzdem als sehr bedrohlich und erleben Todesangst.

Oft werden auch über Jahre hinweg zahlreiche Fachärzte konsultiert und allerlei Untersuchungen durchgeführt. Alle mit keinem Befund. Allerdings erkennt niemand die Angststörung und so kommt es, dass viele Betroffene erst nach Jahren zur richtigen Diagnose und in fachgerechte Behandlung kommen.

Es gibt kein klassisches Bild einer Panikstörung. Deutlicher wird es, wenn man Berichten von Betroffenen liest, die folgendes Erleben in den Vordergrund stellen:

  • Erlebnis der Benommenheit, Verwirrtheit, Kontrollverlust über den Körper
  • Empfindung schwankenden Gehens oder Schwindel
  • Empfindung, die Füße in den Schuhen oder auf dem Boden nicht mehr zu spüren
  • Empfindungen, dass das Licht zu hell ist oder Geräusche unangenehm oder zu laut sind
  • Gefühl, dass das Sehen oder Hören sich verändert

Sehr viele Betroffene schildern einen Bezug der Angst- oder Panikzustände zum Herz oder zur Atmung. Viele suchen dann Haus- oder Fachärzte, Notfallambulanzen auf um ein EKG zu machen mit dem Ergebnis, dass kein Befund festzustellen ist.

Zu Recht werden Betroffene, die Herzstolpern oder Herzrasen als Symptom schildern, bei Fachärzten oder in Krankenhäusern gründlich untersucht, um einen pathologischen Befund (d.h. eine organische Erkrankung) auszuschließen. Wird nichts gefunden, werden weitere mögliche medizinische Fachdisziplinen hinzugezogen, z.B. der Lungenfacharzt bei Atemnot oder der Neurologe bei Schwindel.

Das ist der Grund, warum die Angststörung als ursächliches Problem so schwer zu erkennen ist.

Selbst bei erneutem Vorsprechen des Betroffenen, läuft die gesamte medizinische Diagnostik wieder an. Das gebietet die ärztliche Sorgfaltspflicht. Der Arzt als solches, hat damit seine Aufgabe erledigt, nämlich Ausschlußdiagnostik betrieben, also auszuschließen, dass etwas pathologisches (krankhaftes) vorliegt. Das große Angebot an unterschiedlichen medizinischen Fachdisziplinen tut ihr übriges zum Leidwesen des Betroffenen. Die Grundkrankheit wird nicht erkannt, weil sie sich versteckt hinter den o.g. körperlichen Symptomen.

Ein weiterer Effekt kommt hinzu, nämlich das der Betroffene, aufgrund der Vielzahl an Untersuchungen mit immer dem gleichen befundlosen Ergebnis, nicht glaubt, dass kein Problem vorliegt. Der Leidensweg geht also weiter.

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Als Beispiel für die Suche nach der richtigen Diagnose und dem sog. Ärztehopping ein dramatische Schilderung eines Betroffenen:

Harald G., 49 Jahre


Meine erste Panikattacke erlebte ich in den späten Abendstunden und dachte, ich müsse sterben. Vor lauter Panik rief ich den Notarzt, der mich auch in die Klinik einlieferte. Dort wurde ich kardiologisch untersucht und am nächsten Morgen wieder entlassen.

Allerdings hat keiner der Ärzte mir mitgeteilt, dass das, was ich erlebt hatte, eine Panikattacke war.

In den nächsten Monaten wiederholten sich ähnliche Situationen. Immer wieder mit Krankenhauseinlieferungen durch den Notarzt oder auch durch Selbsteinlieferung. Der ärztlichen Sorgfaltspflicht gebührt es, dass jedes mal der gesamte Diagnostikprozess durchlaufen wird (EKG, Laboruntersuchung etc.). Immer aber mit dem Ergebnis, dass ich kerngesund bin.

Alles gipfelte damit, dass ich vor lauter Panik über Wochen hinweg nicht mehr arbeitsfähig war und mehr oder weniger durch Zufall in einem Akutkrankenhaus mit angeschlossener Psychosomatik vorsprach. Der behandelnde Arzt grinste mich bereits nach wenigen Sätzen meiner Symptomschilderungen an und stellte eine klare und eindeutige Diagnose: Agoraphobie mit Panik.