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Die Agoraphobie

Die Agoraphobie, bekannt als Platzangst, äußert sich wie folgt:

Der Betroffene empfindet Angst in Situationen, in denen er sich z.B. außerhalb seiner Wohnung aufhält.

Beispiele sind öffentliche Plätze, Kaufhäuser, öffentliche Verkehrsmittel. Er befürchtet, dass er an diesen Orten nicht schnell genug flüchten kann, wenn Ängste, Schwindel oder Herzrasen auftreten. Es entsteht ein sog. Vermeidungsverhalten, mit z.T. bizarren Formen.
Es werden Argumente erfunden, warum bestimmte Orte nicht aufgesucht, Termine nicht wahrgenommen oder der geplante Urlaub plötzlich nicht genommen werden kann.

Dieses Vermeidungsverhalten hat zur Folge, dass der Betroffene seine Lebensqualität verliert, da Außenkontakte immer weniger werden und sich so z.B. der Freundeskreis immer weiter verkleinert. Er hat Angst, dass er in der Öffentlichkeit ohnmächtig wird und vergräbt sich allein zu Hause. Die soziale Isolation des Betroffenen tut ihr übriges, zur Verschlechterung des Zustands.

Zu Hause, mit der subjektiven Wahrnehmung von Sicherheit, geht es dem Betroffenen sofort besser.

In Begleitung einer bekannten Person, verschwinden oftmals die Symptome der Agoraphobie. Der Betroffene (z.B. Ehepartner) kann weitesgehend Kaufhäuser, Supermärkte besuchen oder auch in den Urlaub fahren. Allerdings führt dies zu einer Co-Abhängigkeit der Begleitperson. Sobald diese für den Betroffenen nicht mehr verfügbar ist, treten die Symptome wieder in den Vordergrund.

Meistens beginnt eine Agoraphobie mit einer erlebten Panikattacke außerhalb der eigenen Wohnung. Ab diesem Zeitpunkt versucht der Betroffene diesen Ort zukünftig zu meiden. Das Vermeidungsverhalten wird immer weiter gesteigert, bis selbst tägliche Einkäufe im Supermarkt nicht mehr möglich sind.

Ein weiteres zentrales Merkmal der Agoraphobie ist die Erwartungsangst, also die Angst vor der Angst. Der Betroffene befindet sich in ständiger Sorge vor der zu erwartenden Panikattacke.

Die Agoraphobie "lebt" auch von schwierigen Lebensumständen, wie z.B. der Unzufriedenheit in der Partnerschaft oder Problemen am Arbeitsplatz. Diese Begleitumstände verschärfen die Situation, da sie stress- und angstauslösend sind.

Schilderung einer Betroffenen, wie eine Agoraphobie schleichend in den Lebensalltag einzieht:

Dagmar L., 39 Jahre


Alles fing damit an, dass ich in Warteschlagen, z.B. bei der Post oder an der Kasse im Supermarkt plötzlich Schweissausbrüche bekam. Anfangs schenkte ich dem kaum Aufmerksamkeit, aber in wenigen Wochen kamen Herzrasen, Schwindel, starker Schweissausbruch und ein Gefühl von Unwohlsein dazu.

Rückblickend wurde mir klar, dass ich ab diesem Zeitpunkt versuchte, Momente abzupassen, in denen keine Schlange vor der Kasse war oder der Supermarkt besonders leer, damit ich schnell "dadurch" komme. Oft versuchte ich auch Familienangehörige zu schicken, um Einkäufe zu machen.

Während eines Spaziergangs mit der Familie an einem sonnigen Tag mussten wir eine größere Brücke überqueren. Die ersten Meter lösten eine große Panik in mir aus und ich konnte nicht weiterlaufen.

Zu Hause angekommen, legten sich die Symptome wieder.

Alles gipfelte damit, dass ich keine Kaufhäuser mehr betreten konnte, geschweige denn Fahrstühle oder überhaupt fremde Gebäude.