Sie sind hier: Startseite » Ursachen der Angst

Vererbte Angst

Angststörungen sind nicht angeboren, eine allgemein höhere Angstbereitschaft und eine physiologische Labilität können jedoch vererbt sein. Generell sollen manchen Menschen bereits bei der Geburt eine höhere Angstbereitschaft haben. Ursache soll die Neigung des vegetativen Nervensystems des Menschen sein, auf Reize reagieren zu können.

Das vegetative Nervensystem reguliert und kontrolliert die Funktionen der Organe, z.B. Herz, Atmung usw. und bei Angstbetroffenen scheint genaue dieses empfindlicher zu sein, als bei Nichtbetroffenen. Reize, die angstbesetzt sind, werden schneller transportiert und wahrgenommen, als andere Wahrnehmungsreize.

Weitere individuelle, personengebundene Voraussetzungen für Angsterkrankungen:

  • Angeborene Kreislauflabilität (niedriger Blutdruck) und resultierende Schwindelzustände
  • Übersensibilität bei Kohlendioxidüberschuss
  • Psychische Sensibilität bei Wahrnehmung von inneren und äußeren Reizen mit schnellerer Erregbarkeit
  • Bildhafte Vorstellungsfähigkeit bei der Wahrnehmung von inneren oder äußeren Reizen und der daraus resultierenden sehr guten Vorstellungskraft des Menschen, führt zu einer Aktivierung des Körpers

Angst liegt in der Familie

Ängste können im Kindesalter auch von den Eltern übernommen werden. So haben Kinder, deren Eltern an einer Angsterkrankung leiden, ein deutlich erhöhtes Risiko, selbst eine Angststörung zu entwickeln. Sie erkranken häufiger und auch wesentlich früher als Kinder aus unbelasteten Familien.

Übernommene Traumata

Eine relativ neue Erkenntnis sind übernommene Traumata (transgenerationale Weitergabe von Trauma) von den Eltern oder Großeltern. Insb. in Deutschland gibt es kaum eine Familie, die während der Weltkriege nicht in irgendeiner Form Schaden (Verlust von Familienangehörigen oder aktive Teinahme an Kriegsgeschehen) genommen hat. Diese z.T. schlimmsten Erlebnisse werden, soweit nicht aufgearbeitet, unbewusst an jüngere Nachkommen weitergegeben.

So wurde in einer Studie nachgewiesen, dass z.B. Kinder von KZ-Überlebnden einem höheren Risiko ausgesetzt sind an Depressionen zu erkranken.

Besonders in den Jahren nach den Kriegen war die ökonomische Sicherheit der Familie wichtiger, als das emotionale Wohlergehen der Familie bzw. der Kinder. So ist es vielleicht erklärbar, dass viele Kriegserinnerungen nicht aufgearbeitet wurden, sondern Betroffene diese mit sich selber ausgemacht haben. Unbewusst sind dadurch jedoch beide Seiten (Eltern und Kinder) darauf bedacht, jegliche schmerzvolle Erfahrungen abzuschirmen, indem sich die Eltern den Kindern gegenüber sehr verpflichtet fühlen und die Kinder den Eltern gegenüber sehr fürsorglich fühlen. Durch gegenseitige Identifikation sehen sich Eltern als würden sie stellvertretend in ihren Kindern leben wodurch so die Kinder stellvertretend die erschreckende Vergangenheit ihrer Eltern durchleben. Durch diese intensiven familiären Verstrickungen ist es daher nicht überraschend, dass Bindungsstörungen und weitere Probleme häufig auftreten.

Übertriebene Fürsorge und Kontrolle?

Die Kinder- und Jugendpsychologin Frau Prof. Silvia Schneider warnt Eltern z.B. vor einer übertriebenen Fürsorge und Kontrolle der eigenen Kinder.

Ängstliche Mütter und Väter projezieren Ihre Angst auf die eigenen Kinder und versuchen z.B. im Alltag, ihren Kinder alles Mögliche abzunehmen, um sie vor vermeintlichen Gefahrensituationen zu schützen. Die Kinder jedoch lernen daraus, dass sie schwierige Situationen nicht alleine bewältigen können. Die Eltern verhindern in ganz praktischer Weise, dass die eigenen Kinder vielschichte Erfahrungen sammeln können und bilden so die Grundlage für "unsichere Persönlichkeiten" oder gar eine mögliche Angsterkrankung im jungen Erwachsenenalter.