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Erlernte Angst

Bei Auftreten einer schwierigen Lebenssituation wie z.B. Tod eines Angehörigen durch Unfall oder Krankheit, erleben viele Menschen eine Hilfslosigkeit gegenüber dieser Situation. Es tritt eine Art Ohnmachtsgefühl auf, welches wiederum zu einem kritischen Selbstbeobachten führt. Der Mensch prüft, ob er krank ist und ebenso, wie durch das Schicksal des nahen Angehörigen, getroffen werden könnte.

Beim Tod eines nahestehenden Menschen entsteht zunächst eine Traumatisierung, die den Betroffenen Unbeschwertheit und Lebensfreude nimmt. Er generalisiert, dass der Körper schwach und anfällig ist für Krankheiten. In der Folge entsteht eine übersteigerte Selbstbeobachtung und Kontrolle der eigenen Gesundheit, welche wiederum in einer vegetativen Reaktion des Körpers endet. Einfach gesagt, hängt die Panikattacke mit einer übersteigerten Wahrnehmung von völlig normalen und gesunden Körperfunktionen zusammen.

Es bedeutet also, dass die Bewertung der Körperfunktionen und deren Erscheinungen, z.B. Änderung des Puls, Atem usw., falsch ist!

Nochmals: Völlig normale körperliche Sensationen (z.B. Veränderung der Puls- oder Atemfrequenz) und die kognitive Bewertung, die diese als Gefahr deuten, lassen den Betroffenen in eine Angst oder sogar Panikattacke rutschen.

Der Betroffene nimmt einen Sinnesreiz wahr, z.B. eine Sirene eines Rettungswagen, einen Tageszeitungsbericht über eine schwerwiegende Krankheit oder eine Unfallmeldung im Radio, der an etwas Unangenehmes erinnert. Es folgt die Bewertung des Reizes, der Information im Gehirn mit einer daraus resultierenden Emotion (z.B. Freude oder Unbehagen, Wut, Ärger, Angst usw.). Auf eine Emotion folgt immer ein körperlicher Zustand, z.B. Herzklopfen bei Ärger und Wut, auf die aber der Betroffene völlig anders reagiert, als ein gesunder Mensch.

Er fühlt sein Herz deutlich spürbarer schlagen und denkt im Anschluß sofort darüber nach, ob der Herzschlag normal oder krank ist. Im Falle der kognitiven Bewertung "krank", bereitet dem Betroffenen das Unbehagen oder ein Angstgefühl. Dieses wiederrum führt zur Ausschüttung von Stresshormonen wie z.B. Adrenalin, welches das Herz schneller schlagen lässt und wieder wahrgenommen wird vom Betroffenen mit der Deutung: "Ich hatte Recht, irgendetwas stimmt nicht!".

Unter Umständen lässt dieses blitzartig Todesangst entstehen und es kommt in Folge zu einer massiven Ausschüttung von einer Vielzahl von Stresshormonen, die z.B. die Muskeln anspannen lassen, das Herz noch schneller schlagen lassen, Blutdruckerhöhung usw.

Im Gehirn kann es dann zu dissoziativen Gefühlen (Derealisation oder Depersonalisation) kommen und durch die hohe Muskelanspannung zu Schwindel, da feinste Halsmuskeln blockiert sind. Möglicherweise entsteht der Schwindel durch eine Fehlhaltung des Kopfes zur Stellung des Körpers. Diese Fehlinformation führt zu einem unsicheren Gang, woraus erneut Gefühle wie Dissoziation oder Schwankschwindel entstehen können.

Mit jeder noch so kleinen körperlichen Veränderung kommt es zu einer neuen Wahrnehmung und Falschbewertung im Gehirn. Es entsteht eine immer wiederkehrende Wahrnehmung, Falschbewertung, körperliche Reaktion.

Interessant ist dabei, dass die Wahrnehmungen und die körperlichen Reaktionen des Betroffenen völlig richtig sind!

Nur die Bewertung (kognitiv) des Wahrgenommenen ist falsch!

Objektiv betrachtet funktioniert der Körper des Betroffenen überaus gut, schnell und gesund!

Eine kognitive Therapie ist also zwingender Bestandteil einer Angstbehandlung!

Im ersten Schritt einer kognitiven Therapie muss dem Betroffenen klar gemacht werden, dass die Bewertung seiner Wahrnehmungen falsch ist. Das wiederum stärkt den Patienten, da er darüber nachdenkt, dass er vielleicht gar nicht so krank ist und er wiederum mit Emotionen wie Freude darauf reagiert.

Das ist die Grundlage für weitere Therapieansätze wie z.B. einer Verhaltenstherapie.