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Reaktion des Körpers

Tritt eine Panikattacke auf, kommt es zu starken Reaktionen des Körpers. Durch starken Reiz des Sympathikus (Nerv in unserem Nervensystem) kommt es zu erhöhtem Puls, Gefäßverengung mit daraus resultierendem Anstieg des Blutdrucks und zur Anspannung der Muskulatur.

Diese Reaktion war in Urzeiten überlebensnotwendig, wenn der Mensch ein Beutetier erlegen musste oder wenn er einem Feind gegenüberstand und entscheiden musste, Flucht oder Kampf.

Wenn diese Reaktion nicht unmittelbar abgebaut wird, muss der Körper diese Erregung anders loswerden. Es kommt zu einem Feuerwerk an weiteren Reaktionen wie z.B. Schweißausbruch, Zittern, Unwohlsein. Bei Betroffenen einer Angsterkrankung wird nun eine Panikattacke ausgelöst. Sie reagieren durch ihre eigene Konditionierung auf Erregung wieder mit neuer Angst.

Wichtig für Betroffene ist, dass bei einer solchen Erregung und Aktivierung des Körpers nur sehr schwer eine Ohnmacht eintreten kann. Von daher ist diese Befürchtung, die der Großteil der Betroffenen hat, völlig unbegründet. Betroffene nehmen diese körperlichen Symptome übersteigert wahr. Von außen betrachtet (z.B. vom eigenen Partner), sind diese Reaktionen aber fast nie erkennbar!

Die Angst, andere Menschen könnten die Panikattacke erkennen und sehen wie schlecht es ihm gerade geht, ist damit also ebenso unbegründet!

Durch die Annahme des Betroffenen, andere Menschen können die Reaktion, wie sie z.B. bei einer Panikattacke entsteht, sehen, unterhält die Angst vor der Panikattacke und konditioniert den Betroffenen noch weiter. Die Angst vor Auffäligkeit und die damit verbundene Scham, kann mit dem grundsätzlichen Problem fast aller Angstbetroffenen erklärt werden, nämlich der Angst vor Kontrollverlust. Kontrollverlust bedeutet, nicht mehr Herr der Situation und des eigenen Körpers zu sein.

Zu wirklich ernsten körperlichen Zuständen während einer Panikattacke kommt es nicht, was selbst Betroffene nach einhelliger Aussage bestätigen.

Merke:

  • Bei einer Panikattacke wird man nicht sterben!
  • Selbst Befürchtungen wie Ohnmacht sind, wie o.g., völlig unbegründet und physiologisch vom Körper nicht umzusetzen.
  • Panikattacken schädigen den Organismus nicht!

Herzrasen

Oft nehmen Betroffene bei einer Panikattacke Herzrasen wahr, was aber im Rahmen von Studien wiederlegt ist.

Der Puls steigt allenfalls gering, vielleicht um 10-20 Schläge, an. Der erhöhte Herzschlag wird vom Betroffenen nur verstärkt wahrgenommen, da sich der Körper im Alarmzustand befindet. Alleine die gedankliche Hinwendung auf den Herzschlag, führt bei einigen Menschen bereits zu einer Erhöhung.

Verdeutlichen Sie sich, dass das Herz Pulsfrequenzen von 120-160 Schlägen problemlos erreichen kann und bei sportlicher Betätigung, z.B. Fußballspielen, Sprint etc. auch erreicht, ohne das es Schaden nimmt. Ganz im Gegenteil, ist das Herz u.a. dafür ausgelegt, diese Pulsfrequenzen auch zu leisten!

Meist wird von Betroffenen auch ein unangenehmer, deutlich spürbarer und fester Herzschlag beschrieben. Diese Empfindung beruht ebenfalls darauf, dass der Betroffene ein zuviel an Aufmerksamkeit dem Herzschlag gibt.

Herzrhythmusstörungen

Ebenso wird oft auch von Herzrhythmusstörungen berichtet, die meist durch die erhöhte Adrenalinausschüttung und des Erregungszustandes provoziert sind. Diese sog. Extrasystolen werden als sehr bedrohlich empfunden und sorgen ihrerseits wiederum für den Gang zum Kardiologen.

Auch hier sei deutlich erwähnt, dass 90% aller gesunden Menschen, Extrasystolen haben, ohne das diese pathologisch also krankheitsrelevant wären.

Im Langzeit-EKG sind diese Extrasystolen sogar auch nachweisbar.

Durch die vermehrte Aktivität des vegetativen Nervensystems werden diese Extraschläge provoziert. Das vegetative Nervensystem ist nicht bewusst beeinflussbar, steuert aber z.B. die Funktionen des Herzens. Eine etwaige Angsterkrankung versetzt den Körper aber in eine Art Alarmzustand, dem u.a. auch das vegetative Nervensystem folgt und so diese Symptome provoziert.

Im Arbeitsblatt "Regeln der Angstbewältigung bei Herzphobie [48 KB] " sind einige Tipps aufgeführt die helfen, bei einer übersteigerten Angst vor Herzinfarkt, trotzdem ruhig zu bleiben.

Weitere lesenswerte Informationen über Herzphobie und Extrasystolen.

Schwindel

Schwindel ist einer der häufigsten Symptome, die Betroffene erwähnen. Der Grund kann u.a. in einem geringen Abfall des Blutdrucks im Rahmen der Angstzustände liegen, der dann wiederum zu einer kurzzeitigen Minderdurchblutung und Wahrnehmung von Schwindel führt. Allerdings ist der Blutdruckabfall gering und ist keinefalls mit einem plötzlichen Blutdruckabfall wie bei Schockpatienten zu vergleichen. Es können damit verbunden auch Gefühle wie Verlust des Bodenkontakts, weiche Knie oder zu schweben verbunden sein.
Ein weiterer Grund für Schwindel kann eine Veränderung der Atmung sein. Kommt es zu einer Hyperventialtion während einer Panikattacke, ist Kohlendioxidverhältnis im Blut verändert, was wiederum zu einer Gefäßverengung und Minderdurchblutung führt. Dieses führt zur subjektiven Wahrnehmung von Benommenheit oder Kribbel- oder Taubheitsgefühlen.

Diese Gefühle führen zu einem Vertrauensverlust des Betroffenen in seine eigene Wahrnehmung. Gedanklich kommt es während einer Panikattacke oft dazu, dass der Betroffene meint, er würde verrückt werden.

Schwankschwindel

Die akribische und ängstliche Beobachtung des eigenen Körpers führt dazu, dass Ausgleichsbewegungen, die bei jedem Menschen unbemerkt und unbewusst ablaufen, vom Angstbetroffenen bemerkt und kontrolliert werden wollen, da er sie als unnormal empfindet. Im Gehirn kommt es dann zu Falschmeldungen, die wiederum als Schwankschwindel wahrgenommen werden.

Der Betroffene, der ständig sämtliche Körperreaktionen beobachtet und bei der geringsten Veränderung (z.B. Puls, Atemfrequenz, Körpertemperatur usw.) aufschreckt, weil er sofort eine lebensbedrohliche Situation befürchtet, bleibt zwangsläufig gefangen in einem selbstunterhaltendem System, welches Panik auslöst.

Magen-Darm

Angst wirkt sich auf sehr viele Körperfunktionen und Organe aus, so auch auf den Magen-Darm-Trakt. Auch hier berichten Betroffene oft von nervösem Magen, Durchfall, Magenempfindlichkeit oder verstärkter Harndrang. Der Spruch, sich vor Angst sich in die Hose machen, kennt jeder, trifft aber bei Angstbetroffenen zu. Daher ist es umso notwendiger, nicht den eigenen Körper, auf den sie sich 30, 40, 50 Jahre lang problemlos verlassen konnten, argwöhnisch zu beobachten, sondern sich Wissen über seine Funktion anzueignen. Wie schon o.g., gibt es für jede Reaktion des Körpers eine physiologische Erklärung.

Hinweis:

Eine gründliche medizinische Abklärung (ggf. durch Fachärzte) aller körperlichen Symptome ist zwingend durchzuführen, bevor die Psyche als Ursache festgemacht wird.

Angstzustände/Panikattacken etc. können durchaus auch organische Ursachen haben (z.B. Hormonausschüttung der Schilddrüse).