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Perfektionsdrang stoppen

Grundlage einer Selbsthilfe gegen Angst- und Panik ist auch die kritische Überlegung, darüber nachzudenken, warum es so ist, wie es ist.

Dem selbstauferlegten Perfektionsdrang zu entsprechen, lässt einen Menschen nur gesellschaftlichen Idealbildern hinterherrennen und die eigene Einzigartigkeit und Kreativität vergessen. Der Drang nach Perfektion verzerrt die aufgenommenen Informationen. Das andauernde Hinterfragen der Qualität der geleisteten Arbeit, lässt uns nicht mehr in uns selber vertrauen.

Der eigene Anspruch an die Perfektion bei z.T. alltäglichen Dingen wie Familienfeiern oder Urlaubsplanungen gewichtet die Dinge mit einem viel zu hohen Startgewicht und lässt Abweichungen nicht zu. Es raubt die Unbeschwertheit, die Freiheit der Gedanken und zuletzt auch die Lebensqualität.

Befreien Sie sich von dieser Denkweise. Setzen Sie auf eigene Werte, wie Kreativität, Herz und Mut, die jeder Mensch mit sich bringt.

Wirtschaft und Gesellschaft fordern von uns, immer das Beste zu geben, neuen Anforderungen in kürzester Zeit gewachsen zu sein, flexibel und erreichbar überall auf dieser Welt zu sein. Oft wird hierbei völlig vergessen, dass hinter diesen Forderungen Menschen stehen. Menschen, die für andere Menschen arbeiten und dabei auch schonmal Fehler passieren. Menschlichem Handeln müssen natürlich gewissen Standards genügen, aber Perfektion darf nicht zum Selbstzweck werden. Ein gesunder Umgang mit Perfektion muss für den Einzelnen kohärent, harmonisch und realistisch sein. Perfektion darf kein utopisches Ziel sein, dem wir hinterherrennen.

Verdeutlichen Sie sich, dass ein Mensch, der etwas besser kann als Sie, dafür auch eine jahrelange Übung und Entwicklung brauchte. Ein Musiker musste jahrelang üben, bis er auf seinem Instrument gut spielen konnte. Diese Menschen entsprechen aber in anderen Bereichen des Lebens, genau dem selben Durchschnitt wie alle anderen.

Versuchen Sie also ab heute, alle Perfektionsansprüche herunterzufahren.

Dazu gehört auch der eigene innere Druck, der Verpflichtung jeden Tag eine bestimmte Leistung abliefern zu müssen.

Eine gute Übung dazu ist, nur für einen Tag, wahrscheinlich der erste Tag in Ihrem Leben, einmal nichts zu tun. Nur den eigenen Grundbedürfnisse wie essen, schlafen usw. nachzukommen und den Rest der Zeit aber bewusst nichts zu tun. Sie werden merken, wie schwer Ihnen das wahrschienlich schon nach 1 Stunde fällt.

Der "Innere Kritiker"

Viele Betroffene nehmen, mehr oder weniger bewusst, eine kritische, abwertende oder antreibende innere Stimme in sich wahr.

Erkennen Sie sich wieder?

  • Sei perfekt!
  • Sei schnell!
  • Streng dich gefälligst an!
  • Du wirst versagen!
  • Du musst es alleine schaffen!
  • Du bist nicht gut genug!
  • Du musst es allen recht machen!

Dieser Persönlichkeitsanteil wird in der Psychologie "Innerer Kritiker" oder "Über-Ich" genannt.

Er entsteht in der Kindheit, indem Vorstellungen und Bewertungen von Eltern oder anderen Bezugspersonen übernommen werden.

Die Aussagen des Inneren Kritikers sind immer gleichbleibend und wenn Sie ihm zu viel Gewicht geben, kann Sie das stark unter Druck setzen oder sogar lähmen.

Daher ist der erste und wichtigste Schritt, diesen Inneren Kritiker zu erkennen um dann einen gesunden Abstand zu ihm zu schaffen.

Nutzen Sie das Arbeitsblatt Innerer Kritiker [43 KB] , um über einen Zeitraum von einer Woche ggf. zu erkennen, wie sehr Sie sich ihm in Ihrem Handeln und Denken unterwerfen.