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Psychopharmaka

Die meisten Panik- und Agoraphobiebetroffenen lehnen die Einnahme von Medikamenten ab. Nur wenn Betroffene aus eigener Kraft nicht gegen ihre Angstzustände ankommen, sind einige von ihnen gezwungen, Psychopharmaka einzunehmen.

Zeitlich begrenzt dämpfen Psychopharmaka Erregungszustände wie bei panischer und phobischer Angst, können sie aber nicht heilen.

Viele Betroffene berichten darüber, dass sie Antidepressiva von ihrem Hausarzt verschrieben bekommen haben, ohne einen Hinweis darauf, dass eine begleitende Therapie notwendig ist.

Daher nochmals deutlich erwähnt:

die reine Einnahme von Antidepressiva heilt keine Angsterkrankung!

In wenigen schweren Fällen, wo Konfrontation absolut nicht möglich ist, kann eine Kombination von verhaltenstherapeutischer und psychopharmakologischer Behandlung therapeutische Wirkungen zeigen. Mittelfristiges Therapieziel sollte aber sein, diese Medikamente bei hinreichender Angstbewältigung wieder abzusetzen.

Antidepressiva: SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) und trizyklische Antidepressiva

Heute werden bevorzugt die moderne SSRI und z. T. auch noch trizyklische Antidepressiva zur Behandlung von schwerer Panikstörung und Agoraphobie eingesetzt.

Angstbetroffene mit intensiver Panikneigung und solche mit schweren depressiven Verstimmungen als Folge der Angststörung werden durch eine etwas längere Einnahme handlungsfähiger: Sie haben weniger Befürchtungen, Angstanfälle und Vermeidungsverhalten und können so besser der Therapie folgen.

Antidepressiva machen nicht süchtig.

Weil es zu Beginn einer Antidepressiva-Behandlung bei manchen Betroffenen zu verstärkten Reaktionen in Form von vermehrten Angstanfällen kommen kann, empfiehlt sich, das Medikament einzuschleichen.

Die lindernde Wirkung tritt erst nach 2–3 Wochen ein, bei manchen Agoraphobikern sogar erst nach 2–3 Monaten.

Die allgemeine Verträglichkeit und paniklindernde Wirkung von SSRI ist schneller und etwas besser als bei trizyklischen Antidepressiva. Trizyklische Antidepressiva rufen demgegenüber während der ersten 4–6 Wochen mehr Nebenwirkungen hervor (Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel usw.), die danach aber meist wieder abklingen oder zumindest spürbar schwächer werden.

Zum einen dämpfen Antidepressiva ängstliche Unruhe und zum anderen haben sie eine stimmungsaufhellende Wirkung.

Sie sollten unbedingt von einem Facharzt für Psychiatrie verschrieben und beim Einschleichen überwacht werden.

Bei regelmäßiger Einnahme müssen in 2- bis 3-monatigen Abständen die Blutwerte überprüft werden. Das kann der Hausarzt machen. Spätestens wenn der Patient nichts mehr meidet, ist das Antidepressivum stufenweise abzusetzen. Am besten wird 14-tägig je ein Viertel der Dosis weniger eingenommen.

Antidepressiva der Gruppe MAO-Hemmer (Monoaminoxydasehemmer) werden nicht mehr eingesetzt, da sie weniger wirksam sind und erhebliche Nebenwirkungen haben.

Bekannte Antidepressiva