Sie sind hier: Startseite » Lexikon

Extrasystolen

Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge neben dem normalen Herzrhythmus. Sie werden von Betroffenen häufig als Herzrasen oder Herzstolpern wahrgenommen.

Was sind Extrasystolen?

Extrasystolen entstehen, weil die Herzmuskelzellen sich auch ohne den Befehl des Sinusknotens zusammenziehen können.

Dabei handelt es sich eigentlich um eine Schutzfunktion: Fällt der Sinusknoten aus, kann das Herz trotzdem noch einen "Ersatz"-Rhythmus haben.

Mischt sich aber eine Herzmuskelzelle in die Aktivität des Sinusknotens ein, unterbricht sie damit die normale Herzschlagfolge. Es kommt zu einem Fehlschlag, und das Herz braucht eine Pause, bis der Sinusknoten als Impulsgeber wieder das Sagen hat. Dieser Vorgang empfinden Betroffene als "Stolpern" des Herzens. Extraystolen sind von sich aus noch nicht gefährlich, selbst wenn sie häufig auftreten. Schwierwiegend können dagegen Ketten von Extrasystolen sein, so genannte Salven: Das Herz hat keine Zeit mehr, sich mit Blut zu füllen. Seine Pumpfunktion lässt nach. Hat ein Mensch mehr als vier Extrasystolen hintereinander, sprechen Ärzte von Herzrasen (Kammertachykardie).

Bigeminus. Folgt nach jedem normalen Herzschlag eine Extrasystole, sprechen Mediziner vom Bigeminus. Dadurch wird der Herzschlag dauerhaft unregelmäßig und zu schnell.

Wie äußern sich Extrasystolen?

Für gewöhnlich verursachen Extrasystolen keine Beschwerden.

Das hauptsächliche Symptom von Extrasystolen ist Herzstolpern bzw. Herzrasen. Mediziner bezeichnen es als "Palpitation".

Durch die entstehende Pause zwischen dem verfrühten und darauf folgenden, kräftigeren Herzschlag tritt unter Umständen das Gefühl des Herzstolperns oder -klopfens auftreten.

Studien haben ergeben, dass ungefähr ein Drittel der Betroffenen Extrasystolen als Herzstolpern oder Aussetzer bemerken. Rund fünf Prozent fühlen sich krank. Treten Extrasystolen vermehrt oder in Salven hintereinander auf, können sie in eine Herzrhythmusstörung mit beschleunigtem Herzschlag (Tachykardie) münden, die ggf. Schwindelgefühle oder Bewusstlosigkeit zur Folge haben können.

Bei diesen Symptomen ist ein Besuch beim Arzt notwendig. Bestimmte tachykarde Erkrankungen müssen unbedingt behandelt werden.

Was sind die Ursachen von Extrasystolen?

Extrasystolen können unterschiedliche Ursachen haben, die häufig harmlos und nicht behandlungsbedürftig sind:

Lebensführung. Faktoren, die bei gesunden Menschen Extrasystolen begünstigen, sind Schlafmangel, ein hoher Konsum an koffeinhaltigen und alkoholischen Getränken, Rauchen und seelischer und körperlicher Stress. Hier hilft es in der Regel, ausreichend zu schlafen, Kaffee, Tee oder Alkohol nur in Maßen zu genießen, auf das Rauchen zu verzichten und sich im Alltag Freiräume zur Entspannung zu schaffen.

Extrasystolen bei der Einnahme von Medikamenten. Bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten (zum Beispiel Herzmedikamente und insbesondere Arzneimittel gegen Nervenbeschwerden, Psychosen, Depressionen) sollten Patienten ihren Arzt ansprechen, wenn es zu Extrasystolen kommt.

Erkrankungen. Krankheiten wie eine Schilddrüsenüberfunktion, die Koronare Herzkrankheit oder Mangelzustände im Mineralhaushalt („Elektrolythaushalt“) können Extrasystolen auslösen. Werden die Erkrankungen behandelt, treten die Extrasystolen in der Regel nicht mehr auf.

Wie werden Extrasystolen festgestellt?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, Extrasystolen zu diagnostizieren.

Bei Extrasystolen, die ihren Ursprung in den Herzkammern haben (= ventrikuläre Extrasystolen), müssen zunächst organische Ursachen ausgeschlossen werden: Vor allem sie können sich zu Herzrhythmusstörungen ausweiten. Außerdem ist es erforderlich, Extrasystolen von Herzrhythmusstörungen (beschleunigter und verlangsamter Herzschlag) abzugrenzen.

Die Diagnosemethoden:

  • Pulsmessung und Abhören des Herzschlags mit dem Stethoskop
  • Ruhe-EKG, um den Herzrhythmus in Ruhe zu ermitteln
  • Langzeit-EKG, um bei vergleichsweise selten auftretenden Extrasystolen über einen längeren Untersuchungszeitraum (24 Stunden) den Herzschlag zu untersuchen
  • Belastungs-EKG, wenn die Extrasystolen bei körperlicher Anstrengung auftreten
  • Ultraschalluntersuchungen, um die Größe der Herzvorhöfe und –kammern zu überprüfen, die Herzklappen zu untersuchen und die Dicke der Herzmuskelwände festzustellen
  • Röntgenaufnahmen, um zu untersuchen, ob das Herz vergrößert ist oder ob es zu einer Wasseransammlung in der Lunge gekommen ist
  • Herzkatheteruntersuchung, um das Innere des Herzens und insbesondere die Durchblutung in den Herzkranzgefäßen zu überprüfen

Wie werden Extrasystolen behandelt?

Bei der Behandlung wird zwischen harmlosen Extrasystolen und Extrasystolen, die durch eine zugrunde liegende Erkrankung hervorgerufen werden, unterschieden.

Harmlose Extrasystolen. Treten bei gesunden Menschen Extrasystolen auf, sind sie in der Regel nicht behandlungsbedürftig. Empfinden Betroffene Extrasystolen jedoch als sehr unangenehm bzw. fühlen sie sich krank, können Medikamente helfen, die Anzahl der Extrasystolen zu verringern.

Extrasystolen als Folge einer Erkrankung. Treten Extrasystolen als Folge einer Erkrankung auf, muss diese Erkrankung behandelt werden, zum Beispiel die Koronare Herzkrankheit, ein Herzinfarkt, eine Herzmuskelentzündung oder auch Stoffwechselstörungen wie eine Überfunktion der Schilddrüse.

Wie ist die Prognose von Extrasystolen?

Bei Betroffenen, deren Extrasystolen durch Schlafmangel, erhöhten Alkohol-, Koffein- und Nikotinkonsum oder Stress hervorgerufen werden, reicht es in der Regel aus, ausreichend zu schlafen, den Genuss von Alkohol, Tee oder Kaffee zu verringern und auf das Rauchen zu verzichten.

Gegen Stress helfen Entspannungsphasen im Alltag oder auch regelmäßig angewandte Entspannungstechniken, wie z.B. die progressive Muskelentspannung.

Liegen den Extrasystolen Erkrankungen zugrunde und werden sie behandelt (z.B. vom Kardiologen), treten zusätzliche Herzschläge meist nicht mehr auf.

Empfehlenswerte Ratgeber