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Erfahrungsberichte

Die Erfahrungsberichte sollen reale Beschreibungen von Betroffenen zusammenfassen, um so eine Hilfestellung zu geben, mögliche Symptome richtig zu deuten, aber auch um Wege aus der Angst aufzuzeigen.

  • Andrea H., 44 Jahre, verheiratet, ein Kind
  • Kerstin W., 41 Jahre, verheiratet
  • Sabine R., 40 Jahre

Ich habe mit der Hilfe mehrerer Arbeitsblätter, meine eigene Situation und meine Denk- und Verhaltensmuster aufgeschrieben und dazu direkt für mich erarbeitet, wie ich es beim nächsten Mal anders mache.

Dazu habe ich regelmäßig versucht, Atemübungen und Meditationen zu machen, um mich ruhiger zu kriegen und entspannen zu können. Das klappte soweit ganz gut, allerdings setzte eine spürbare Wirkung erst nach ca. 14 Tagen ein.

Ich habe auch einige Bücher dazu gelesen, um mir Wissen über Angst und was dann genau passiert im Kopf, anzueignen.

Ich bin ab diesem Zeitpunkt nicht mehr weggelaufen vor der Angst und habe durchgehalten, was besonders in der Anfangszeit wirklich hart war.

Heute bin ich aber dankbar dafür und auch stolz auf mich. Auf der Arbeit habe ich mir vom Kopf her immer wieder gesagt, dass die Angst da sein darf und ich durchhalten muss. Mir hat das geholfen, aber es hat auch lange gedauert, bis die Angstphasen kürzer wurden. Ich bin dann auch nicht mehr ausgewichen vor Situationen im Alltagsleben, weil ich weiss, wenn ich nachgebe, lande ich wieder im Angststrudel. Ich bin bewusst mit dem Auto zu Terminen gefahren. Auch wenn der Ort und der Weg dorthin neu für mich waren.

Natürlich war das hart und oft hat das auch nur sehr schwer geklappt. Und ich weiss auch, dass die Angstsymptome wieder auftreten werden in entsprechenden Situationen, aber nicht mehr diese Panik dazu. Ich versuche mich selber dann auch so anzunehmen, wie ich bin. Ich kann es nicht besser und es gehört auch zu meinem Leben dazu, mir viele Gedanken zu machen, vielleicht auch eher ängstlich und zurückhaltend zu sein. Aber diese Selbstannahme hilft mir. Ich akzeptiere mich mehr so, wie ich wirklich bin und versuche nicht mehr krampfhaft einem gesellschaftlichen Vorbild zu entsprechen.

Ich wuchs extrem behütet auf und Ängste waren mir in meiner Kindheit fremd. Meine Eltern haben mir eine heile Welt vermittelt und praktisch alles von mir ferngehalten, was irgendwie mit Konflikten oder Enttäuschungen zu tun haben konnte.

Sie regelten und entschieden auch lange Zeit alles für mich.

Dieser Umstand dauerte lange an. Ich hatte schon meine Berufsausbildung hinter mir und andere Frauen standen schon lange Jahre in der Verantwortung als Mutter einer Familie.

Mitte Zwanzig war ich, als die Probleme, besonders mit meiner Mutter, immer mehr wurden, da diese starke Einmischung in mein Leben und diese Regeln mir innerlich solche Probleme machten, dass es zu richtigen Konflikten mit meinen Eltern kam. Trotzdem schaffte ich irgendwie den Absprung aber damit kamen auch die Ängste in mein Leben.

Ich war es ja gewohnt, keine Entscheidungen treffen zu müssen und wenn, dann waren meine Eltern immer zur Stelle mit Rat und Tat. Selbst kleine und offensichtlich unwichtige Dinge verursachten bei mir Blockaden und Gedankenspiralen, die auch in richtigen Ängsten endeten. Viele Entscheidungen lies ich auch einfach laufen, in der Annahme, sie würden sich von selber lösen. Aber dieses Nichtangehen der Probleme verursachte wiederum Ängste, da ich die Folgen nicht abschätzen konnte und es kam zu wahren Kreisläufen. Dieses passives Verhalten gegenüber Entscheidungen konnte ich auch bis heute nicht ganz ablegen.

Meine Liebesbeziehungen liefen nach einem ähnlichen chaotischen Muster. Auf der Suche nach einem Mann der eher meinem Vater entsprach und Verantwortung für mich übernehmen sollte, landete ich oft in Beziehungen, die genau das Gegenteil waren. Die Beziehungen waren oft sehr destruktiv, da ich lange Zeit die Fehler bei mir suchte und mich selbst auch für das Scheitern verantwortlich machte.

Erst nach einer Therapie, die hart war, begriff ich, dass nur ich selber für mich Entscheidungen und Verantwortung übernehmen kann.

Die ganze Bandbreite an Ängsten wurde im Laufe der Jahre immer größer und tiefgreifender. Auch deshalb, weil ich mich den Ängsten nie stellte. In Partnerschaften suchte ich mir immer die Männer, wo von vornherein klar war, dass diese Beziehung scheitern würde. Ich drehte die Trennungen zum Teil so, dass ich vor meinen Eltern oder Freunden immer im Recht war und niemals wirkliche Position oder Meinung beziehen musste. Ich begriff erst sehr spät, dass ich innerhalb der Partnerschaften stetig versuchte, ein Bild von mir aufrecht zu halten, welchem ich nie gerecht werden konnte. Das ging bis zur völligen Aufgabe meiner Persönlichkeit. Durch dieses starke angepasste Verhalten wollte ich gefallen und angenommen werden, getreu dem Motto: "Sei ein braves Mädchen und tue das, was von Dir verlangt wird".

Nach einer ganzen Reihe von gescheiterten Beziehungen und auch in der Therapie erkannte ich, dass ich mich nicht verstellen darf in einer Beziehung, sondern so sein muss, wie ich wirklich bin. Ich musste den Glaubenssatz ablegen (was extrem schwer war), dass es nur nach den Vorstellungen des Partners zu laufen hat und ich gefallen muss.

Das war neben der harten Erkenntnis, dass es so ist, natürlich umso schwerer auch praktisch umzusetzen. Dafür habe ich einen relativ langen Zeitraum gebraucht und mich auch im Alltag immer wieder gefragt, was ich denn wirklich möchte, was mein Gefühl sagt.

Ich habe eine Kindheit gehabt, die mich heute in einem Ungleichgewicht durch das Leben treibt, die es mir nicht ermöglicht, das Gute im Alltag zu erkennen und zu nehmen, die es mir nicht möglich macht, dauerhaft stabile Beziehungen zu pflegen, die es mir nicht möglich macht, gut für mich zu sorgen, die Auswüchse im Verhalten an mir zeigt, welche für Außenstehende nicht nachvollziehbar sind.

Meine Kindheit war geprägt von einer dauerhaften Angst. Geprägt davon, die eigenen Gefühle komplett zu unterdrücken um meine Eltern zu schützen, meine alkoholerkrankte Mutter zu retten. Das Familiengleichgewicht zu halten.

Meine Kindheit hat mich tief traumatisiert. Mich bindungsunfähig gemacht. Mir nicht ermöglicht, Vertrauen in andere Menschen zu fassen. Mich tief in ein Misstrauen geführt, gegenüber mir selbst und meinem Leben.

Ich musste alleine für mich sorgen. Von frühester Kindheit an. Die Schulzeit war die Hölle für mich. Mein Kopf war belegt mit Ängsten und Sorgen um die Familie, um die Mutter, jedoch nicht damit, mich mit Inhalten in der Schule auseinanderzusetzen.

Geschafft habe ich es trotzdem, irgendwie.

Ich bin der perfekte Schauspieler. Geht es mir noch so schlecht, keiner merkt es. Niemand durfte es merken zu Kindheitszeiten. Gute Miene zum bösen Spiel war das Motto.

Mich anzuvertrauen? Unmöglich. Wem denn? Meinem Vater? Undenkbar. Er hat eigene kranke Denk- und Verhaltensmuster, mit der Situation klarzukommen. Da war wenig Platz für das eigene Kind. Da wäre ich Gefahr gelaufen, alles zu verlieren. Im Heim zu landen. Da wäre ich Gefahr gelaufen, dass meine Mutter in der Gosse gelandet wäre. Todesangst um meine Mutter.

Mich anzuvertrauen meinen Verwandten gegenüber? Undenkbar! Sie verurteilten meine Mutter sowieso. Sie belächelten sie. Sie haben ihre Schwäche ausgenutzt. Sie erkannten sie nie an. Sie spielten das Drama mit. Sie wussten es und haben weggeschaut.

Dank einer intensiven Therapie bekomme ich meine Gefühle langsam, aber stetig, zurück. Ich komme mehr ins eigene Fühlen hinein. Eine unglaublich spannende Zeit. Für mich nur zu schaffen mit einer erfahrenen Therapeutin, die mich führt, die mich stützt, die immer wieder erklärt. Für mich der Mensch, dem ich am meisten anvertraut habe in meinem Leben. Eine Erfahrung, die mich im Rückblick immer noch rührt und überwältigt.

In der Therapie haben all die schrecklichen Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühle Raum, ausgesprochen zu werden. Nochmal durchlebt zu werden, mit all der Dramatik, dem Schrecken, der Angst, der Trauer, der Wut, der Aggression, der Sehnsucht, der Liebe.

Durch die Therapie werden viele Dinge neu erfahren, von denen ich bislang keine bzw. nur eine sehr statische, künstliche Vorstellung hatte, wie sie sich anfühlen.

Liebe ist so ein Gefühl.

Was ist Liebe überhaupt?

40 Jahre lang habe ich gelebt mit der Annahme, Liebe ist nur zwischen Frau und Mann. Liebe ist primär Sex. Liebe ist etwas für Schwache, für Romantiker, nichts für Männer. Liebe brauche ich nicht wirklich.

Ein spannender Moment, wenn man erkennt, dass es das alles nicht ist.

Ein dramatischer Moment, wenn man erkennt, seine Lebenspartner aus einem tiefen Unsicherheitsgefühl heraus gewählt zu haben. Angst vor dem Alleinsein, Angst vor dem Leben, Angst vor der Zukunft, waren die Gedanken, die mich überhaupt stetig in einer Beziehung haben sein lassen.

Bitter ist es, sich diesen Betrug gegenüber den Partnern und sich selbst einzugestehen.

Aufregend ist es, sich selber zu entdecken. Selber Gefühle wahrzunehmen, die wirklich aus einem selber heraus kommen, nicht von außen, nicht von anderen Menschen oder Situationen vorgegeben.

Schön ist es, endlich, nach langen Jahren, die Angst davor auch da sein zu lassen. Erkannt zu haben, dass die Angst toll ist. Sie schützt, sie hilft.
Die Angst ist entkoppelt. Vorher war alles eins. Gefühle, Leben, Alltag, Erinnerungen, alles war vermischt mit Angst. Großer Angst, Todesangst.

Heute hat alles seinen Platz. Den richtigen Platz. Alles ist geordnet. Alles ist auseinandergezogen, kann von mir differenziert werden.

Durch das erneute Durchleben vieler schlimmer Erinnerungen und Gefühle, konnte ich diese Angst gehen lassen. Ich konnte die alten Gefühle betrauern. Mit Hilfe der Therapie mir ansehen, sie wahrhaft sezieren, sie mir erklären. So intensiv, wie ich wollte. Ich konnte Arbeit mit meinem inneren Kind leisten, das stetig Angst hatte. Extrem wohltuende und vor allem heilende Arbeit leisten.

Heute kann ich mir alle, z.T. destruktiven Denk- und Verhaltensweisen, Muster, erklären. Ihnen bewusst begegnen. Mich aktiv entscheiden, ob ich Ihnen noch folge oder nicht, ob ich sie noch brauche oder nicht.
Das Loslassen davon macht Angst, ist Herausforderung, bringt Trauer. Trauer darüber, immer wieder zu erkennen, wie schlimm damals alles gewesen sein muss. Wie sehr ich meine Gefühle eingesperrt haben muss. Wie sehr ich auf der Suche nach Halt war und bin. Halt im außen, weil der innere Halt nicht da war.

Heute bekomme ich ein Gefühl für mich selber.
Mehr Bewusstsein.
Mehr Selbst-bewusst-sein.
Bewusst darüber, was ich will, wie ich fühle, was ich wirklich will. Es ist aktiv meine Entscheidung.

Stark ist es, den alten Pfaden zu folgen. Die so erfolgreich funktioniert haben, die ich genau kenne, von denen ich genau weiß, sie schützen mich. Das kleine innere Kind hat immer noch große Angst und schlägt Alarm.

Mut braucht man, um davon abzulassen.

Unendlich Mut, dorthin zu schauen, wie es damals war. Wie man selber war. Wie man selber ist. Wie sehr man Täter ist, wie sehr man andere Menschen verletzt, sie übergeht, sie ignoriert.

Vertrauen braucht man gegenüber dem eigenen inneren Kind. Es zu trösten, es in Sicherheit zu wiegen. Verständnis.
Großes Verständnis und Mitgefühl für die eigenen Verhaltensweisen und Denkmuster, die aus einer Not entstanden sind. Entstanden sind als man Kind war.

Heute als Erwachsener sind diese nicht mehr notwendig und können abgelegt werden.

Wäre dieser Weg nicht so verlaufen, wäre ich heute nicht an dem Punkt, an dem ich bin.

Somit hatten die ganzen schweren Jahre, geprägt von Angst und Panik in meinem Leben einen Sinn. Ist man erst einmal über die akuten Phasen hinweg, kann an den destruktiven Auswüchsen gearbeitet werden. Mit Hilfe moderner Therapiemethoden können die starken Denk- und Verhaltensmuster der Kindheit erkennbar und bewusst gemacht werden. Diese Fähigkeit ist wohltuend, heilend und auch spannend, weil endlich Antworten da sind für das eigene Verhalten und keine Verurteilungen mehr.